Exklusiv-Interview
Ballack: "Manchmal bin ich ein strenger Vater"
VON MARTIN BEILS - zuletzt aktualisiert: 24.12.2009 - 10:20
(RP) Kapitän Michael Ballack zählt die deutsche Fußball-Nationalmannschaft nicht zum engsten Favoritenkreis für die Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika. "Es gibt sicherlich Mannschaften, die im Moment besser sind als wir", sagte er im Gespräch mit unserer Redaktion.
Wo gefällt es Ihnen besser: hier in England, am Starnberger See oder im Rheinland, wo sie ja auch drei Jahre gelebt haben?
Ballack: Ich habe mich immer wohl gefühlt, egal wo ich gespielt habe. In Kaiserslautern, Leverkusen oder hier. Aber ich muss sagen, Starnberg ist von der Gegend her schon traumhaft.
Was ist das Besondere an London?
Ballack: Das Multikulturelle. Man lernt andere Nationalitäten kennen, nicht zuletzt in einer Fußball-Mannschaft. Die Stadt ist unheimlich lebendig. Man kann an jedem Tag alles machen: Galerien, Konzerte, Restaurants, Klubs, Fußball. Seit ich hier bin, begeistere ich mich auch für Kunst.
Anders als viele Ihrer Mitspieler beim FC Chelsea wohnen Sie nicht auf dem Land, sondern genießen die Stadt.
Ballack: Wenn man in so einer Stadt spielt, will man auch das Leben hier mitkriegen. Unser Trainingsgelände liegt außerhalb der Stadt. Und wenn ich auch noch da wohnen würde, hätte ich wenig Kontakt zu London. Das war für meine Familie und mich nie eine Option. Für mich war es immer wichtig, dass die Familie nicht nur irgendwo geparkt wird, sondern dass auch meine Frau und die Kinder ihren Interessen nachgehen können.
Wo ist Ihre Heimat?
Ballack: Meine Heimat ist sicherlich Chemnitz. Da, wo ich aufgewachsen bin und den größten Teil meines Lebens verbracht habe.
Was verbindet Sie mit der Heimat?
Ballack: Meine Eltern, meine Familie, meine Freunde, meine Erinnerungen.
Bekommen Sie als Sachse denn einen Dresdner Christstollen zum Fest?
Ballack: Jetzt nicht mehr. Meine Großeltern haben früher immer einen mitgebracht. Oma und Opa können aber in ihrem Alter nicht mehr so gut herkommen. Aber wenn ich unbedingt einen Stollen haben wollte, würde ich in London in einem internationalen Spezialitätenladen bestimmt einen bekommen. Es wäre mal einen Versuch wert.
Haben Sie eine besondere Kindheitserinnerung an Weihnachten?
Ballack: Ich hatte immer ein bisschen Angst vor dem Weihnachtsmann. Da war schon ein natürlicher Respekt vor diesem Mann mit der tiefen Stimme. Manchmal habe ich ihn gesehen, wenn er zu uns nach Hause gekommen ist. Manchmal habe ich nur die Geschenke vorgefunden. Besonders erinnere ich mich an mein erstes großes Fahrrad, das habe ich mit acht Jahren bekommen.
Für einen Fußballprofi in England ist Weihnachten etwas anderes als in Deutschland, weil am zweiten Feiertag gespielt wird. Wie feiern Sie Weihnachten?
Ballack: Der Heilige Abend ist eigentlich so wie sonst auch immer. Wir trainieren allerdings in der Weihnachtszeit auch jeden Tag und müssen am ersten Feiertag schon reisen. Das ist zwar ein bisschen schade, aber so ist es nun einmal.
Singen Sie mit der Familie unterm Weihnachtsbaum?
Ballack: Ja, mindestens ein Lied singen wir alle gemeinsam.
Sind Sie ein strenger Vater?
Ballack: Meine Frau sagt nein. Ich denke aber: Manchmal bin ich schon streng. Muss man ja auch sein bei drei Jungs, oder? Meine Frau meint aber immer, ich lasse ihnen zu viel durchgehen. Man sagt dann Mal was und ein zweites Mal und dann …na ja, die Kinder haben relativ schnell raus, was geht und was nicht.
Gucken Sie viel Fußball im Fernsehen?
Ballack: Es geht. Früher war‘s mehr. Jetzt gucke ich nicht mehr alles. Aber Champions League, Länderspiele, Bundesliga das muss schon sein. Ich kann ein Spiel auch wie ein ganz normaler Fan vor dem Fernseher genießen.
... zusammen mit den Jungs?
Ballack: Ja, die gucken schon mal. Aber ihnen fehlt noch die Geduld. Wenn mal eine längere Zeit kein Tor fällt, dann wird etwas anderes schnell wichtiger.
Haben Sie Interesse an anderen Sportarten?
Ballack: Ja, klar. Ich mag ja Sport. Selber spiele ich Golf, Tennis nicht mehr so oft wie früher. Rugby interessiert mich, seitdem ich in England bin. Unser Sohn hat‘s mal gespielt, deshalb habe ich die Sportart verstärkt verfolgt. Ein guter Teamsport.
Wäre das auch etwas für Sie gewesen?
Ballack: Weiß ich nicht. Ich schaue lieber zu, als es selber zu spielen. Da sind schon ein paar harte Jungs dabei. Die Verletzungsgefahr ist hoch, weil es ein Kontaktsport ist, aber es ist ein sehr fairer Sport.
Ihr Vertrag beim FC Chelsea läuft im Sommer aus. Wie ist der Stand der Verhandlungen?
Ballack: Man wird sicher bald mal zusammenkommen und sich unterhalten. Aber ich habe da keinen Druck. Beide Seiten wissen, was sie voneinander haben.
Was hat sich für Sie unter Carlo Ancelotti als neuem Trainer geändert?
Ballack: Wir haben früher immer das 4-3-3-System gespielt, jetzt ist es 4-4-2. Mit einem Mann mehr im Mittelfeld stehen wir kompakter und haben mehr Ballbesitz. Als Mittelfeldspieler ist man jetzt mehr ins Spiel eingebunden. Wir sind sehr flexibel im Mittelfeld. Wenn einer in die Spitze stößt, wird diese Position automatisch von einem anderen ausgefüllt.
Wie gemalt für Sie…
Ballack: Aus Deutschland war ich dieses System gewohnt. Ich war dort ja auch immer bei spielerisch starken Mannschaften. Mit dieser Umstellung haben wir in diesem Jahr schon viele tolle Spiele gezeigt.
Ist die Mannschaft dadurch den Tick besser, den sie braucht, um ins Finale der Champions League zu gelangen?
Ballack: Waren wir ja schon vor 2 Jahren. Aber das Halbfinale letztes Jahr gegen den FC Barcelona hatte nichts mit besser oder schlechter zu tun. Wir sind immer noch der Meinung, dass wir benachteiligt wurden. Und dann kam auch noch Pech dazu, als wir in der 93. Minute das entscheidende Tor kassiert haben. Es ist jetzt noch nicht abzuschätzen, ob wir in der Champions League besser abschneiden werden. Aber in der Liga haben wir auf jeden Fall schon eine spielerische Steigerung bewiesen. Ich hoffe, wir bleiben bis zum Schluss oben.
Aber der Sieg in der Champions League bleibt das ganz große Ziel.
Ballack: Ja, natürlich. International ist das der Titel, den man gewinnen will - vor allem mit so einer Truppe. Aber wenn du die Chance in der Liga hast dann ist auch das wieder ein ganz großes Ziel. Irgendwann kommst du in der Saison an den Punkt, an dem die Belastung sehr hoch wird. Dann musst du entscheiden, auf welchen Wettbewerb du besonders den Fokus legst. Wir haben aber eigentlich den Kader und die Klasse, um in beiden Wettbewerben zu bestehen.
Was ist wahrscheinlicher: dass Chelsea die Champions League gewinnt oder dass Deutschland Weltmeister wird?
Ballack: Ich glaube, die Chancen, dass wir die Champions League gewinnen, stehen etwas besser. Wir dürfen als einer der Mitfavoriten gelten.
DFB-Präsident Theo Zwanziger und Bundestrainer Joachim Löw haben den WM-Titel als Ziel ausgegeben. Wie realistisch sind für Sie die Aussichten?
Ballack: Bei einer Weltmeisterschaft muss einfach alles passen - und noch mehr. Und man braucht Glück. Es gibt sicherlich Mannschaften, die im Moment besser sind als wir.
Spanien! England?
Ballack: Ja, England wird nach der Auslosung zum Kreis der Favoriten gezählt. Sie haben eine tolle Mannschaft und viele Spieler mit herausragender individueller Klasse. In Fabio Capello haben sie jetzt auch einen Trainer, der Stabilität hinein gebracht hat. Das ist wichtig, das spürt eine Mannschaft. Sie muss auch Spiele gewinnen können, wenn sie mal nicht auf dem höchsten Level spielt. Und dafür stehen italienische Trainer, besonders Capello. Die Engländer strahlen Selbstbewusstsein aus, das merke ich hier. Ich zähle auch die Brasilianer wieder zu den Favoriten. Sie haben eine souveräne Qualifikation gespielt.
Sehen Sie sonst noch jemanden vor der deutschen Mannschaft?
Ballack: Nein, davor sehe ich nicht mehr viele. Es gibt einige, die wie wir zum engeren Kreis gezählt werden. Italien natürlich. Aber auch Frankreich. Trotz der schwächeren Qualifikation kann eine Mannschaft mit dieser Klasse bei einem Turnier immer ein Wörtchen mitreden. Auch Portugal muss beachtet werden. Argentinien ist auch immer eine Hausnummer.
In der Vorrunde treffen Sie auf Ghana mit Ihrem Mitspieler Michael Essien. Haben Sie sich schon auf ein Ergebnis geeinigt?
Ballack: Ich habe ihm einen 2:0-Sieg für uns angeboten. Aber er hat nicht eingeschlagen. Wir haben eine schwierige Gruppe bekommen, das sagen auch die Jungs hier bei Chelsea. Australien, Serbien, Ghana - das sind physisch starke Mannschaften, die uns alles abverlangen werden. Wir sind vom ersten Tag an gefordert.
Zuerst die Australier. Da heißt es: Die muss man schlagen.
Ballack: Du musst immer alle schlagen, wenn du weiterkommen willst.
Bei der Wahl zu Europas Fußballer des Jahres gehörte kein deutscher Profi zu den Nominierten. Warum nicht?
Ballack: Man kann es sich einfach machen: Wir sind nicht gut genug. Wir haben im Moment nicht die einzelnen herausragenden Spieler, die diesen Preis gewinnen könnten. Es scheint als seien die deutschen Spieler derzeit International nicht so gefragt. Ich glaube aber, wenn du als Einzelspieler die notwendige Wahrnehmung erreichen willst, musst du zumindest bei einem internationalen Topklub spielen.
Sehen Sie Spieler, die mittelfristig auf Europas Topliste gelangen könnten?
Ballack: Die Chance ist natürlich immer da. Die Konkurrenz ist aber groß Aber große Konkurrenz gab es immer und trotzdem haben Lothar Matthäus und Matthias Sammer zum Beispiel die Trophäe gewonnen.
Quelle: RP
[닫기]나름 크리스마스 특집 인터뷰인 듯.
특히 눈길이 가는 부분 몇 군데만 번역기 거쳐서 발로 번역해 본다. 오역 가능성 89.1322%