Exklusiv | Löw: Ich bin enttäuscht von Ballack
BILD: Herr Löw, Michael Ballack hat Sie massiv attackiert. Wie war Ihre erste Reaktion auf die Aussagen?
Joachim Löw (48): „Grundsätzlich überrascht es mich, dass er den Weg über die Öffentlichkeit sucht. Und es enttäuscht mich, dass er auf diese Weise Personalpolitik betreibt.“
BILD: Was ist Ballacks Motivation?
Löw: „Da habe ich keine Vorstellung. Ich hatte nach den Siegen über Russland und Wales vernommen, dass für ihn die Entscheidungen in Ordnung waren. Deshalb hat mich seine Reaktion jetzt sehr verwundert.“
BILD: Ballack sagt im Bezug auf Torsten Frings, dass man Spielern sagen soll, wenn man sie nicht mehr haben will.
Löw: „Ich habe mit Torsten zwei längere Gespräche geführt. Und es ist nicht so, dass ich ihn nicht mehr haben will. Er ist nach wie vor wichtig. Aber alle müssen sich dem Leistungsprinzip unterwerfen. Und wenn ich mir unsere Ergebnisse anschaue, auch in den letzten zwei Jahren, waren die nicht so schlecht. Und wenn ich einen Spieler nicht mehr haben will, werde ich ihm das auch direkt sagen. Das habe ich in anderen Fällen auch so gemacht. Aber bei Torsten ist das nicht so.“
BILD: Gehen Sie respektlos mit den älteren Spielern um?
Löw: „Überhaupt nicht. Ich sage allen Spielern, was ich erwarte und wie ich ihre Situation einschätze. Wir behandeln unsere Spieler respektvoll. Und ich werde niemals jemanden öffentlich angreifen. Das ist nicht unser Stil.“
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Jetzt gibt's DFB-Zoff Ballack greift Löw an
Sauer ist Ballack, weil sich Bundestrainer Jogi Löw nach seiner Fuß-Operation noch nicht bei ihm gemeldet hat – und zieht richtig vom Leder.
BILD: Ballack war verwundert, dass Sie ihn im Gegensatz zu anderen nicht nach der Fuß-Operation angerufen haben.
Löw: „Ich habe mit Dr. Müller-Wohlfahrt lange telefoniert, er hat mir alles genau erklärt. Und ich wollte Michael natürlich in den kommenden Tagen anrufen. Denn der Eingriff erschien mir nicht ganz so schlimm.“
BILD: Hat Ballack mit Konsequenzen zu rechnen?
Löw: „Ich werde mit ihm sprechen, das ist klar. Dann sehen wir weiter. Aber über die Vorgehensweise bin ich mir noch nicht bewusst.“
BILD: Ist es denkbar, dass er für das England-Länderspiel im November nicht nominiert wird?
Löw: „Ich will darüber nachdenken, in welcher Form ich mit Michael reden werde. Jeder Spieler kennt bei uns die Regeln, was öffentliche Kritik angeht. Und Personaldiskussionen sind dem Trainer vorbehalten. Ich lasse mir grundsätzlich nicht reinreden. Aber ein Gespräch wird es jetzt geben. Nicht erst in ein paar Tagen, sondern sehr zeitnah.“
BILD: Fürchten Sie um Ihre Autorität?
Löw: „Nein, da habe ich gar keine Bedenken.“
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