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Hamburgs Superstar Zé Roberto: „Bis 40
spiele ich locker“

Er ist eine Sensation. Ein kleines Wunder. Ein verzauberter Zauberer: HSV-Hexer José Roberto da Silva Junior, kurz „Zé“.

BILD: Zé, mit 36 Jahren sprinteten Sie gegen Schalke noch in der Schlussphase die Linie runter. Dann die Sahne-Vorlage auf van Nistelrooy. Wie lange dürfen die Fans das noch genießen?

Zé: „So lange ich mich so gut fühle, höre ich nicht auf. Ich bin topfit. Das liegt an der langen Vorbereitung und an meinem Körper. Ich bin selbst von mir überrascht. Und Vorlagen auf Ruud sind ein Kinderspiel, der trifft ja fast von alleine.”

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Wird er Torschützenkönig?

Zé: „Darauf würde ich wetten.”

Kein Gedanke an das Karriereende?

Zé: „Ich hatte mir das schon überlegt. Aber Gott will wohl, dass ich spiele.”

Bis wann?

Zé: „Bis 40 spiele ich locker.”

Verlängern Sie in Hamburg?

Zé: „Es ist noch zu früh, um darüber zu reden. Eigentlich ist es nicht mein Plan, denn ich will noch was anderes probieren. Ausgeschlossen ist es aber nicht.”

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Wollten Sie nicht nach New York?

Zé: „Ich war kurz davor. Das Angebot war spitze. Aber als Familie haben wir entschieden, in Hamburg zu bleiben. Auch mein Ex-Klub Santos versuchte, mich zurückzuholen. Aus den Emiraten gab es auch verlockende Angebote.”

Jetzt geht es unter Armin Veh in die neue Saison. Was läuft besser als unter Labbadia?

Zé: „Veh ist erfahren. Und wer viel gelernt hat, kann auch viel beibringen. In Hamburg war es unter Labbadia vielleicht wie in München unter Klinsmann. Beide sind jung, haben ihre eigene Philosophie und verfügen noch nicht über so viel Erfahrung. Das kann dann manchmal zu Problemen führen.“

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Man hatte den Eindruck, dass die Mannschaft gegen Labaddia spielte.

Zé: „Das ist nicht wahr. Es harmonierte einfach nicht. Die Kommunikation untereinander funktionierte nicht. Er hatte seine Philosophie und fertig. Aber keiner hat gegen ihn gespielt.”

Wieso läuft es in diesem Jahr besser?

Zé: „Weil wir einen Top-Kader haben und die ganze Vorbereitung zusammen waren. Wir haben jetzt einen Trainer, der viel mit jedem spricht. Wenn wir vom Verletzungspech verschont bleiben, können wir eine Super-Saison spielen.”

Also Zweiter hinter Bayern werden?

Zé: „Bayern ist der Top-Favorit. Der Kader ist unglaublich, sie sind eingespielt und die Mannschaft ist zusammengeblieben. Aber wir sind ein Konkurrent. Wir spielen nicht international und werden Bayern einen heißen Kampf bieten.”

Martin Demichelis könnte Bayern verlassen. Wie sehen Sie das aus der Ferne?

Zé: „Ein Spieler sollte sich wohl fühlen und glücklich sein. Wenn Micho nicht glücklich ist, sollte er sich lieber einen Verein suchen, bei dem es besser für ihn läuft und auf ihn gesetzt wird. Er war jahrelang Stammspieler und fühlt sich als solcher. Er ist Nationalspieler und will das auch bleiben. Viele Südamerikaner sind dann ja nicht mehr übrig.”

Wundern Sie sich?

Zé: „Sehr sogar. Früher spielte bei Bayern ein Jorginho, Paulo Sergio, Elber, Lucio, Pizarro oder ich. Jetzt könnte Breno der letzte Südamerikaner sein. Jeder Klub hat seine Philosphie. Das hängt stark davon ab, was der Trainer will.”

Wird sich Breno einen Platz erkämpfen?

Zé: „Er ist einer der wenigen jungen Spieler, die ich gesehen habe und mir sicher war, dass sie es bei Bayern schaffen.”

Was trauen Sie ihrem langjährigen Mitspieler Michael Ballack bei Leverkusen zu?

Zé: „Alles. Er wird mit Leverkusen um den Titel spielen. Er ist weiterhin ein großartiger Spieler. Seine Rückkehr macht unsere Liga zu einer der attraktivsten.”

Auch Philipp Lahm würde gerne die deutsche Kapitänsbinde behalten. Außerdem wird generell darüber diskutiert, ob Löw ganz auf Ballack verzichten soll.

Zé: „Diese Diskussion ist ein Unding. Ich vermisse hier jeglichen Respekt gegenüber Michael. Wieso war Ballack nicht bei der WM? Weil er verletzt war. Sonst hätte er gespielt und zwar als Kapitän der er schon lange war. Die Diskussion ist total schlecht und negativ für die deutsche Elf. Das Ganze ist für den Trainer eigentlich eine leichte Angelegenheit. Ballack wird die EM 2012 spielen und wird weiter der Kapitän sein. Wieso soll da irgendwas geändert werden?”

Kritiker sagen, er würde das deutsche Spiel langsam machen und sein Führungsstil sei schroff.

Zé: „Ach was. Mit seiner Erfahrung und Qualität wäre Deutschland noch besser. Nur mit junge Spielern gewinnt man nichts. Zu seinem Führungsstil kann ich nur sagen. Er gibt Respekt und verlangt danselben auch ein. Ich habe bei Leverkusen und Bayern lange mit ihm gespielt. Er ist einwandfrei.”

Auch Lahm ist ein großartiger Spieler. Und er bekräftigt immer wieder seine Lust an der Binde.

Zé: „Philipp hat eine große Zukunft vor sich. Aber auch er sollte Ballack etwas mehr Respekt zollen. Er hat in meinen Augen etwas den Bogen überspannt. Wenn so eine Diskussion angezettelt wird, dann nur vom Trainer. Denn Ballack ist der Kapitän. Und die Binde verliert man nicht durch eine Verletzung. Es gibt bei allem ein Limit und das sollte auch Philipp bedenken. Erst recht, wenn es sich um einen Mitspieler handelt. Da ist mehr Respekt geboten.”

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